Sein mit Karin

Texte


Folgende Texte sind hier zu lesen:

Wege nach Innen
Ein Beitrag über die Prozessarbeit in den Jahresgruppen

Botschaften aus der Stille
Worte von Karin, gesprochen beim Sommer-Stille-Retreat

Heilung aus der Stille
Bericht über das Oster-Stille-Retreat 2007 mit Karin. Von Andrea Semper

Das göttliche Spiel
Wer bin ich? Was ist Gott? Beitrag von Karin über die Lehre der Nicht-Dualität, der Advaita.

Geomantie im Wohnraum
siehe Rubrik Geomantie






Wege nach Innen

Die Prozessbegleitung, die ich in einer Jahresgruppe anbiete, ist ein großes Abenteuer. Sie bietet die Möglichkeit, sich auf sich selbst einzulassen und den Weg nach innen anzutreten. Es ist ein Weg, der sich lohnt, er führt zurück zur Quelle und damit zu sich selbst. Dorthin, wo der innere Friede, Gelassenheit, Liebe und Freude zu finden sind! Die Heilung und Erlösung, die geschehen, wenn wir bereit sind, zu sehen WAS IST und der Wahrheit nur wenige Schritte entgegenzugehen, sind gnadenvoll. Die innere Befreiung und Heilung beginnen bei der Selbsterforschung auf der seelischen Ebene, von dort durchdringen sie Geist und Körper.  Von Karin. 

Die Situation des Menschen, der von seinem Ego tyrannisiert und gefangen ist, wird erst deutlich, wenn dieser in der Lage ist, die Sichtweise zu ändern und sein Herz zu öffnen. Bis dahin jedoch hält er seine Sichtweise und den Zustand der Trennung, des Alleinseins für das einzig Mögliche, das Menschsein sein kann. Es ist, als ob er ein Leben lang in seinem Zimmer sitzt, immer die gleichen Wände und Möbel anstarrt, hie und da ein bisschen aufräumt, umräumt, verräumt, aber in Wirklichkeit keine Ahnung davon hat, dass es noch etwas anderes geben könnte. Stets überkommen ihn die allbekannten Gefühle, die gleichen quälenden Gedanken, aber die Welt des Fernsehens lenkt ihn ab, verspricht minütlich Hoffnung, Verbesserung und Befriedigung durch das Stillen der körperlichen Bedürfnisse. Was er nicht weiß: Es gibt eine andere Welt, eine Welt des Lichts, der Freiheit, der Liebe und Lebendigkeit.  
Ich selbst gehe diesen Weg seit ich 15 bin, aber in Wirklichkeit schon viel, viel länger. Durch einen Akt der Gnade durfte und darf ich die Sichtweise wechseln, die wahre Natur des Selbst schauen, das göttliche Erbe antreten, durfte und darf die Welt der Erscheinungen im Glanz des göttlichen Lichts sehen und den Urgrund des Seins als wahre Realität erleben. Ramana Maharshi ist der innere Meister, OM C.Parkin war der äußere Meister – durch sie durfte sich  mir dieser Weg eröffnen. Die Verbindung zur wahren Quelle bringt die eigene Essenz, die Essenz der Liebe und des Gewahrseins zu leuchten und transzendiert das Ego. In der Arbeit – sei es in der Gruppe oder in Einzelsitzungen öffnet sich ein Kanal (nicht mit Channelling zu verwechseln), durch den die göttliche Gnade wirkt. Es ist ein wesentlicher Aspekt des Göttlichen, nämlich die Wandlungskraft, die Kraft der Transformation, die wie ein Katalysator wirkt und im Menschen Wandlung hervorruft. Durch das Licht und die Liebe werden verborgene, unbewusste Energien, alte „Dämonen“ oder verdrängte Inhalte an die Oberfläche gebracht und erlöst. Dem Menschen werden dabei innere Erkenntnisse zuteil oder unbewusste Szenen von früher gezeigt, die ihm helfen zu verstehen und die Vergangenheit zu erlösen. Sehr hilfreich ist das bei der Arbeit mit Familiensystemen, wo in der inneren Schau gezeigt wird, wo alte Verstrickungen, verborgene „Gespenster“, Lügen, Geheimnisse, etc. zu finden sind. Über die seelische Ebene ist durch diese innere Zuwendung und die Gnade Heilung für alle Beteiligten möglich.
Um die Ausgangslage und den Sinn innerer Arbeit noch mehr zu verdeutlichen, möchte ich ein weiteres Bild geben. Das Innere eines Menschen ist wie ein riesiger, unerforschter Schlossgarten mit vielen wilden Pflanzen, alten Bäumen, Buschwerk, verschlungenen Wegen, stillen Gewässern, verlassenen Ruinen. Das Licht des Bewusstseins hat noch nicht viel davon gesehen, so liegt er wie verwaist da, verlassen, brach, verwildert, unbeachtet, sich selbst überlassen. Der Mensch umrundet diesen Garten wie in einem Tiefschlaf, er kennt die Mauern, späht hie und da durch die Lücken, sieht dicht verwachsene, undurchdringliche Sträucher oder er wagt sich ein, zwei Meter hinein und bewegt sich dann vorsichtig, langsam am inneren Rand des Gartens entlang, stets auf der Lauer, ob nicht jeden Moment der Feind angreift. Der Weg hat tiefe Furchen gezogen, er ist so viele Male schon begangen worden und bietet mittlerweile das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauten. Beim Blick hinein ins Innere tauchen unangenehme Gefühle wie Angst, Bedrohlichkeit, Ungewissheit, Feigheit auf. Hie und da flackert die Erkenntnis auf, dass dieser riesige Raum mit einem selbst zu tun hat. Aber es bleibt nicht viel Zeit nachzudenken, denn der Mensch ist beansprucht mit all den unterschiedlichsten Szenen, die auf seinem Weg auftauchen, und die sich immer wieder an den gleichen Stellen der Runde wiederholen. Wie ein Karussell, das sich dreht, begegnet er wieder und wieder den gleichen Figuren, Bildern, Herausforderungen. Und an mindestens der Hälfte der Runde gleicht der Weg eher einer dunklen, finsteren Geisterbahn, die mehr Angst und Schrecken einjagt, als Vergnügen und Ablenkung bietet. Die inneren Geister und Dämonen und all die verdrängten Schattenanteile zeigen sich mit großer Verlässlichkeit immer wieder von Neuem - nur in verkleideter, nicht erkennbarer Gestalt seiner Mitmenschen. Dennoch sind all diese Erscheinungen vertraut, altbekannt und bieten, so paradox es klingt, ein Gefühl der Sicherheit. Dieser Weg scheint also alles andere als beschaulich, erholsam, gemütlich zu sein, dennoch wiederholt Mensch diese Runden unendlich oft – viele Leben lang. Es kommt aber noch dicker: Für einen Außenstehenden sind diese Erlebnisse, Erscheinungen und Szenen, die den Menschen so unbegreiflich auf seinen Runden binden und fesseln, bewegen und lähmen nicht sichtbar und nachvollziehbar. In Wirklichkeit sind diese Ereignisse nicht im Außen, sie spielen sich im Inneren der Person ab, sie sind nicht wirklich real. Es ist wie ein Traum. Wie ein ständig wiederkehrender Alptraum. An dem Punkt des größten Leides fängt sich das Bewusstsein zu regen an. Die Erkenntnis steigt hoch, dass diese Szenen sich immer wiederholen und dass es etwas anderes geben könnte, als an der Oberfläche sichtbar ist. Ein inneres Aufflackern lässt den Mensch stehen bleiben, inne halten, sich fragen, was eigentlich da abläuft. Er wagt, in das Dickicht hineinzuschauen und spürt einen Zug ins Innere, ein Sehnen, einen Wunsch nach Klarheit, Wahrheit und Frieden. Das ist der Zeitpunkt, wo die Zeit reif ist, den Weg nach Innen anzutreten – und mit einer genauen Erforschung des Naheliegenden zu beginnen. Es taucht der Wunsch nach Heilung auf und auch das Bedürfnis, das Unbewusste, diesen riesigen Schlossgarten zu erforschen und den Wurzeln all der äußeren Erscheinungen nachzuspüren. Nach kurzer Zeit in solcher prozessorientierten Begleitung wird sichtbar, dass von jeder Erscheinung am Rande Wege ins Innere führen, und alle führen sie zu einem Zentrum. Die Hürden auf dem Weg sind naturgemäß sehr groß, Ängste und Schmerzen kommen klarer zum Vorschein, die Dämonen wirken größer, unüberwindbarer – zunächst. Doch was geschieht, ist ein Mysterium: indem der Mensch diesen Weg geht, bringt er Licht in den Dschungel. Sein aufmerksames, bewusstes Auge erhellt die Finsternis und bringt zum Vorschein, was vorher unbekannt und verborgen war. Sein Bewusstsein wirkt wie Knoblauch gegen Dracula. Jäh kreischt dieser auf, gibt sich zu erkennen, flüchtet. Bei uns muss er nicht flüchten, er wandelt sich, transformiert sich im Licht der Liebe. Auch Gefühle wie Angst oder Schmerz verlieren an Bedrohlichkeit und dem Gefühl des Ausgeliefertseins. Angst entsteht immer dann, wenn man Mensch etwas nicht kennt. Schaut er jedoch hin, schwindet sie, Unbekanntes wird bekannt. Die Regeln in dem großen Garten sind für den menschlichen Verstand jedoch nicht begreifbar und nicht nachvollziehbar. Es gibt Führer auf den Wegen und Pfaden des inneren Reiches – und diese Führer heißen: Angst oder Schmerz! Ja, du liest richtig. Wer den Weg kennt, stößt auf Angst, Schmerz oder auch Wut – und diese Gefühle sind wie in Schichten angelegt, vergleichbar mit konzentrischen Kreisen, die immer dichter und intensiver werden, Zonen in unserem Garten, die zu einem großen Zentrum führen. Jede Zone wird bewacht von einem Hüter, verkleidet als Gespenst der Angst und des Schmerzes. Es ist wie eine Prüfung, ob der Initiant weitergehen will und kann. Ist er bereit dem Dämon ins Auge zu schauen? Ist er bereit, sein Schwert zu erheben und zu kämpfen – für sich selbst? Für die Wahrheit, für das Licht, für die Liebe ?  Ist er bereit, der Angst zu begegnen, sie zu fühlen, ihr in jeder Zelle des Körpers Raum zu geben, damit sie weichen kann? Ist er bereit, sich die Wahrheit zu sagen, nämlich dass hinter jeder Erscheinung ein Ego-Gedanke steckt, ein Wunsch, eine Begierde, ein Streben, ein Wollen? Und vor allem Widerstand gegenüber alten, unverdauten Erfahrungen der Vergangenheit? Wenn er bereit ist zu fühlen, hinzuschauen und wirklich weiterzugehen, wird er eingelassen in die nächste Zone. Die Angst und der Schmerz leiten ihn, sie führen ihn tiefer hinein zum Kern der jeweiligen Zone, dorthin wo die uralten Leichen liegen, die uralten Traumen und Auslöse-Erfahrungen, die ich oft als Gespenster bezeichne, weil sie abgespalten worden sind und sich mitunter verselbständigt haben. Es sind die Wurzeln der Erscheinungen, die sich am Rand des Gartens bis heute abspielen und sich dort stetig wiederholen. Sie sind die wahren Ursachen der inneren Befindlichkeit. Es handelt sich immer um eigene Kreationen des Geistes - Gedanken und Gefühle, die sich im Körper manifestiert haben. Und diese Kreationen sind nichts anderes als Schattenseiten, abgelehnte Eigenschaften, schmerzhafte Gefühle, die unterdrückt und bekämpft werden. Verdrängen funktioniert aber nicht, alles kommt wieder, immer wieder – bis wir hinschauen. Es gibt nämlich eine weitere Regel des Universums: alles will erfahren und akzeptiert werden. Alles will da sein dürfen und seiner Bestimmung zugeführt werden. Nichts kann ausgeschlossen oder abgelehnt werden. Auch wenn es einige Leben lang braucht, auch wenn es viele Jahre in einem Leben braucht, dass diese alten Erfahrungen hochkommen und sich zeigen: es ist ein Moment der Gnade, wenn offenbart wird, was der wahre Hintergrund eines „Themas“ oder Musters ist, wenn die Wurzeln sich zeigen und die damit verbundenen Gefühle frei werden. Es genügt, hinzuschauen, zu fühlen und JA zu sagen! Wenn das geschieht, findet Heilung und Erlösung statt. Alle Szenen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen in sich zusammen wie ein Kartenhaus und werden absorbiert in die große Leere oder das große Feld der menschlichen Erfahrungsvielfalt. Was bleibt, ist das leuchtende, helle Jetzt ohne Emotion oder Gedanken. Alle die Wege führen wie erwähnt zu einem Zentrum. Dort liegt die Urprägung, die Urerfahrung der Trennung von Gott. Scheinbar – denn alles IST Gott, es gibt nichts außerhalb davon! Aber die subjektive Erfahrung, dieses Vergessen suggeriert Trennung. In Wirklichkeit haben wir eine grundsätzliche „Heilige Idee“, einen Essenz-Aspekt des Göttlichen vergessen. Essenzaspekte sind z.B. die Essenz des Gewahrseins, der Reinheit, der Freundlichkeit und Güte, der Liebe, der Freude, des Friedens, der Kraft, der Intelligenz und Leerheit. Es gibt neun „Heilige Ideen“, die sich dadurch ableiten und die im Menschen natürlich veranlagt sind, wenn dieser ganz aus und von seiner Essenz lebt und durchdrungen wird. Diese sind: die Liebe, die heilige Vollkommenheit, der heilige Wille, das heilige Gesetz, der heilige Ursprung, das heilige Allwissen, der heilige Glauben, der heilige Plan und die heilige Wahrheit. Es ist also das innere Wissen und absolute Urvertrauen, dass alles, was geschieht, vollkommen ist und dem göttlichen Plan entspricht, innerhalb des göttlichen Plans und Gesetzes abläuft, dass der Mensch göttlichen Ursprungs ist, reine Essenz und dass in ihm die göttliche Wahrheit, die Liebe und das Allwissen wirken. Jeder Mensch hat einen besonderen Zugang zu einem dieser Aspekte, allerdings entwickelt er im Laufe der ersten Lebensjahre ein Ich, ein Ego, eine Persönlichkeit, das durch unzählige, durch die Umwelt suggerierte  Konzepte und Überzeugungen besteht und zudem geprägt wird durch „vererbte“ Gefühle, durch Urtraumen und grobe Verletzungen. Als Folge verliert er den Zugang zu dieser Heiligen Idee, die er verkörpert. In ihm entsteht das Gefühl, dass etwas mit ihm nicht stimmt, dass er nicht ganz oder vollkommen ist oder er fühlt sich als nicht existent, nicht adäquat, unvollständig oder auch unfähig, wertlos oder machtlos. Auf diesem Grundgefühl baut sich die Persönlichkeit auf und versucht zu kompensieren. Verliert also jemand die Essenz der Vollkommenheit, wird seine Persönlichkeit sein Leben lang diese Vollkommenheit „erzeugen“, nachahmen und anstreben. Ein mächtiger innerer Zwang macht ihn glauben, er selbst müsse vollkommen, perfekt oder rein sein, da er den Zugang zur Essenz der heiligen Vollkommenheit und Reinheit verloren hat. Es wird zu einem Grundmotiv, das all seine Handlungen prägt. Wir kennen die Perfektionisten oder Menschen, bei denen alles glänzen und sauber sein muss, die an sich selbst unerreichbar hohe Maßstäbe anlegen und auf jeden Fall perfekt sein müssen – im Beruf, als Mutter, Ehefrau oder was auch immer! Wurde die Idee des Heiligen Planes vergessen, nagt in ihm das Gefühl unvollständig zu sein. Er wird also versuchen, viel zu erleben, sich viele Sinneserfahrungen zuzuführen, dabei aber alles perfekt zu planen und zu durchdenken. Er wird sich Konzepte zurechtlegen, wie er das Leben erklären, verstehen und damit auch lenken und beeinflussen kann. Alles muss kontrolliert und erklärt, nichts darf dem Zufall überlassen werden. Hier wurde vergessen, dass, alles was geschieht, dem Göttlichen Plan zugrunde liegt, alles von einer unbegreiflichen Intelligenz geplant und geführt ist. Wurde die Essenz der Macht, der shakti vergessen, nagt in dem Menschen das Gefühl der Machtlosigkeit, der Schwäche. Also wird er immer bedacht sein, Situationen der Machtlosigkeit, der Schwäche, der Ohnmacht zu vermeiden. In Folge muss er der Starke sein, derjenige, der dominiert und unterdrückt, sein Wille zählt, er ist der Chef, der Macht und Kontrolle will. Er selbst fühlt sich unschuldig, Schuld haben immer nur die anderen. Dazu neigt er zu Wolllust und zu einem Missbrauch der Wahrheit zugunsten persönlicher Zwecke.   Bei allen drei Beispielen erkennt die Persönlichkeit irgendwann einmal, dass die entwickelte Strategie nicht funktioniert. Sie wird nie perfekt sein, sie wird nie das Leben wirklich planen können und wird auch nicht durch Macht das Gefühl der Kraft und Stärke erzeugen können – weil alles im Menschen bereits vorhanden ist, alles ist als Essenz in ihm angelegt. Der Weg zur inneren Befreiung liegt darin, diese Essenzaspekte zu erkennen und den Weg dahin wieder freizulegen – durch die vielen Schichten des inneren Gartens. Die neun Essenzaspekte  sind in dem alten Wissen des Enneagramms überliefert. Die Ego-Maschinerie baut auf diesen Essenz-Verlust auf und ist somit genau beschreibbar. In Büchern wie „Das spirituelle Enneagramm“ von Eli Jaxon Bear oder „Neun Porträts der Seele“ von Sandra Maitri ist mehr darüber zu lesen. Aber zurück zu unsrem Beispiel und der inneren Arbeit. Bei der inneren Arbeit in der Gruppe gehen wir den Kernen der einzelnen Zonen auf den Grund, bis wir zum Urereignis vorstoßen und den Verlust der Essenz freilegen. Im Verstehen, in der Schulung des Gewahrseins und im Erlösen all der Gespenster am Weg wird dieser Essenzaspekt zunehmend zu leuchten anfangen und wird das Wissen um den verlorengegangenen Aspekt wieder zum Leben erweckt. Es ist wahrlich der Moment, wo Dornröschen nach 100 jährigem Schlaf wachgeküsst wird. Alles wird leuchtender, klarer, heller. Die Person taucht vom Schlaf vieler Leben auf - hinein in das Jetzt, in dem alles einfach so ist, wie es ist. Die mystische Erkenntnis „Alles ist Gott“ wird immer mehr erfahren – und damit die Erkenntnis, dass alles  geführt, wohl durchdacht und geplant ist, somit heilig und unantastbar. Das Vertrauen kommt wieder zurück und damit wird alles einfacher. Es gibt nichts Gnadenvolleres, als den Menschen zu begleiten, während er auftaucht, aufwacht, zum Leben erweckt wird. Seine alten Gedanken- und Gefühlsgespenster, die ihn solange in den Bann gezogen haben, zeigen sich so klar wie noch nie, sie können so schnell wie noch nie erlöst und befreit werden – womit der Weg zurück oder bzw. nach vorne zum Alleinen geebnet wird.

 


Botschaften aus der Stille

Worte von Karin, aufgenommen bei einem Sommer-Stille-Retreat. 

Eine Woche Schweigen, eine Woche Stille steht dir bevor. Und Stille meint nicht nur die Abwesenheit von Worten, es meint nicht nur ein gemeinsames Schweigen. Stille meint, eintauchen in das All-Eine, in den Urgrund des Seins, aus dem alles entsteht, zu dem alles zurückkehrt. Es ist das, was nicht geboren wird und das, was nicht vergeht. Es ist das Ewige. Und diese Stille, das bist du. Alles, was existiert, existiert aus der Stille. Die wortlosen Worte kommen aus der Stille und gehen in sie zurück. Aus der Stille weißt du um die Existenz des Göttlichen. Du siehst und schaust es. Denn es ist DU. Es ist nicht getrennt von dir. Wenn du in der Stille bist, erfährst du die totale Aufhebung jeglicher Trennung, innen und außen ist eines. Der Vorgang des Beobachtens hebt sich auf. Du bist einfach. Objekt, Subjekt und der Akt des Beobachtens ist eines. Wenn du dich tief in die Stille einlässt, jenseits des Verstandes, jenseits von Gedanken und Gefühlen, kannst du dieses Unfassbare erleben. Das ganze Universum ist in uns. Der eben erschienene Regenbogen ist in uns. Du bist in mir und ich bin in dir. Diese scheinbare Grenze des Körpers ist keine wirkliche Grenze. Das, was dir widerfährt im Leben, die Menschen, die dir begegnen, sind in dir. Auch ist der Tod in dir. Er ist nicht getrennt von dir. Du erfährst einen Übergang und erfährst immer nur die Spiegelung. Es gibt keinen Tod im Außen. Du bist der ewige Zeuge, der nicht vergeht. Es gibt die Veränderung, die Vergänglichkeit in der Welt der Erscheinung und alle Erscheinungen sind eine Widerspiegelung deines Geistes. Tagtäglich beschäftigen wir uns mit diesen Widerspiegelungen im Außen und sehen sie als getrennt von uns an. Alle Menschen, alle Ereignisse, alle Tiere, die Natur - alles erscheint getrennt. Doch tatsächlich ist es Eines. Durch die Interpretation deiner Wahrnehmungen und deiner Sinne bildest du dir ein Bild der Welt, du kreierst es in jedem Moment neu durch deine Gedanken und Gefühle. Und dann bleibst du hängen in diesen Erscheinungen im Außen, die so wirken, als seien sie real.  Jede Bewegung, die du in dir erfährst, erfährt das Ganze. Jeder Gedanke, jedes Gefühl in dir erfährt das Ganze, erfahren alle, die in diesem großen einen Feld sind. Du kannst nichts verbergen, nichts geheim und zurück halten, denn alles ist präsent und vorhanden, geht in dieses eine große göttliche universale Feld ein und kehrt zu dir zurück.
Der Urgrund des Seins ist deine wahre Heimat. Das ist das, worauf sich das ganze Sehnen des Menschen fokussiert, ohne dass er es weiß. Viel Zeit vergeht, bis der Punkt kommt, an dem du dich erinnerst und jede Faser deines Seins durchdrungen ist von der Ursehnsucht zurück zu kehren in die große Stille, die du nie verlassen hast. Nur durch dein Denken hast du eine scheinbare eigene Welt geschaffen, die in sich illusionär und unwahr ist. Die Stille, der Urgrund ist und war schon immer in dir,  und sie ist dir auch vertraut und bekannt, du kannst eintauchen, wenn du ganz still bist, einfach bist, ohne Gedanken und Interpretationen über das Erlebte. Denn jeder Gedanke trennt dich von dem Erfahrenen. Die Welt, in der wir uns bewegen ist eine Welt der Erscheinungen, der Erfahrungen. Aber das Absolute jenseits davon ist das Reich der Ewigkeit, das Reich des Nicht-Seins, der Nicht-Existenz. Es ist in allem und dennoch wesentlich mehr. Der einzige Sinn deines Daseins ist, dass du zurückkehrst, einkehrst in DAS. Sei, was du bist - wie ein Fisch im Wasser, verbunden mit allem, dich mit bewegend mit den großen Bewegungen des Feldes, nicht getrennt davon und dennoch mit einer Bewusstheit über das, was geschieht. Du merkst, dass durch dich, durch deinen Körper Handlungen geschehen, das Große Feld lenkt all diese Handlungen. Du bist nicht getrennt von ihnen und es gibt niemanden in dir, der sie plant, bestimmt, lenkt. Es gibt nur das große Eine, das sich durch dich ausdrückt. 
Und egal was geschieht in deinem Leben, ob es Krisen oder Glücksmomente sind, ob Freud oder Leid: Alles geschieht durch dich. Du kannst über den Weg, den deine Seele geht, nichts wissen. Er wird dir gegeben, in jedem Moment eröffnet er sich neu, ES geschieht. Du kannst nie wissen, was kommt, kannst nichts planen, auch wenn du dich an Schein-Sicherheiten oder scheinbar voraussehbaren Wegen orientierst. Morgen kann alles anders sein, Krankheiten, Krisen, Trennungen, Bekanntschaften, eine neue Liebe, Unfälle, Tod – alles kann dein Leben ändern. Gott lenkt und der Mensch denkt. Dieses Ich-Denken trennt dich von dem was geschieht.
...
Du kannst langsam lernen, Gedanken zurück zuweisen und durch das bewusste Lenken deiner Aufmerksamkeit und deiner Absicht in die Stille einzutauchen. Wenn du vollkommen präsent bist, ganz im Hier und Jetzt, kannst du den Moment in seiner Großartigkeit, in seiner Brillanz mit allen Sinnen erfahren, ohne dass da jemand wäre, der erfährt. Es ist ein Paradoxon, das mit dem Verstand nicht begreifbar ist. Und dennoch ist es genau das, was wahres Leben ausmacht. Wenn du im Mind bist und denkst, siehst du nicht, fühlst du nicht, schmeckst du nicht, riechst du nicht, hörst du nicht. Wenn du präsent bist, im Hier und Jetzt, können sich auch Gedanken zeigen, sie beeinträchtigen dich aber nicht, denn du bist sie nicht. Du entlarvst sie als Erscheinungen des Geistes. Nur im JETZT aus der Stille heraus gibt es die vollkommene Erfahrung und genau diese vermittelt das, was du als intensiv bezeichnest, als lebendig, spontan und erfüllend. Sie hinterlässt keine Spur. Eine vollkommene Erfahrung ist frei - frei von Erinnerung. Sie wird nicht mehr in deinem Kopf herum spuken, um verarbeitet werden zu wollen. Sie ist vollkommen in dich eingegangen. Sie erfüllt dich und macht dich gleichzeitig leer. Sie vermittelt das Gefühl zu leben und dennoch belastet dich nichts - keine Last an Gedanken.  Eine vollkommene Erfahrung ist frei von Gedanken, über das, was geschieht. Sie geschieht.  

Der Rucksack

Der Mensch hat großen Gefallen daran, jemand zu sein. Jemand zu sein durch das Leiden und durch das Schicksal, das er erfährt. Es entsteht eine fast perverse Beziehung zwischen dem Leiden des Menschen und seiner Identität. Er liebt es, an den Geschehnissen hängen zu bleiben und andererseits so zu tun, als ob sie ihn nichts angehen, als sei er ein Opfer. Und das macht er mit allen möglichen unangenehmen Zuständen, Gefühlen, Krankheiten, Schicksalsschlägen. „Ich bin derjenige, der das erfahren hat. Ich bin die Person, der es einfach nie gut geht, die einfach immer viel zu tragen hat, die einfach so arm ist und kein Wertgefühl besitzt. Ich bin die Person, die Frau, der sehr viel angetan wurde. Ich bin die Person, die ständig körperliche Krankheiten oder Schmerzen austragen muss. Wenn ich Schmerz fühle, bin ich arm, denn die anderen haben es nicht. Dann stimmt etwas mit mir nicht. Wenn es mir nicht gut geht, dann stimmt etwas mit mir nicht.“
Und dennoch entsteht eine Art von Sucht oder Liebe zu diesen Zuständen des Nicht-Gut-Gehens, des Schlecht-Drauf-Seins, des Leidens. Es entsteht ein ganz bestimmtes Bild, eine Ich-Bindung, aus der ein großer Nutzen für die Person entsteht. Oft ist der Gedanke: „Wenn ich das alles tragen muss, muss ich nicht Verantwortung übernehmen. Denn es ist wohl etwas, das mit mir geschieht, aber für das ich nichts kann. Das ist, was Gott mir angetan hat.“ Dieser Gedanke ist eine interessante Form von Es-geschieht-durch-dich. Es ist ein vollkommenes Missverständnis, denn auch wenn etwas durch dich geschieht und da kein Ich ist, dem das geschieht, kein Ich ist, das Schmerz hat, kein Ich da ist, das Leiden erfährt, sondern eben Leiden oder Schmerz durch dich geschieht und im Körper erfahrbar ist, heißt das nicht, dass da keine Verantwortung wäre. Es heißt nicht, dass da ein Ich ist, das ein Opfer ist. Denn der Gedanke führt dazu, dass sich eine Opfer-Ich-Identität herausbildet wie „Ich bin eben die Leidende, das Opfer, das für nichts kann“. Und das bedeutet, die Verantwortung nicht zu übernehmen. Das ist für den Verstand jetzt schwer fassbar, wenn ich sage, Leiden, Schmerz geschieht in dir aber nicht dem Ich. Du erfährst es in deinem Körper und dennoch bist du das nicht. Es hat nichts mit deinem Ich zu tun und dennoch übernimm’ Verantwortung dafür. Ja, das ist schwer zu verstehen. Aber irgendwann wirst du es erfahren und in deinem Innersten verstehen. Der Kopf kann es nicht verstehen. Es gibt verschiedene Stadien der Bewusstheit und des Verständnisses: Der erste Schritt ist der „Ich bin ein Opfer. Mir geschieht das und jenes und ich kann nichts dafür, ich habe nichts damit zu tun.“
Der nächste Schritt ist, dass du erkennst, dass alles was dir geschieht, in Resonanz zu dir selbst steht. Deine Gedanken und Gefühle, die du durch deine Ich-Identität erzeugt hast, erzeugen Wirkungen und diese führen zu Handlungen und Erscheinungen im Außen. Du erkennst, dass du selbst der Ursprung bist.
Und dann kommt der Schritt, wo ein Ich die Verantwortung wieder abgibt und sich vollkommen in die Führung des Göttlichen begibt. Es ist jenseits von Verantwortung und Nicht-Verantwortung, von Du und Ich. Es ist das Auf- und Eingehen in das große Meer, das dich trägt und lenkt. Es ist das Ende des „Ich“ und der Beginn des ICH, das alles und nichts IST. Du bist bewusst, präsent, lebst, lachst, weinst, isst, liebst, handelst,... alles ist da und dennoch gibt es keinen persönlichen Handelnden. 
Sehr viele Menschen befinden sich heute im Übergang von der ersten zur zweiten und auch schon bereits auf der zweiten Stufe. Sie sind dabei, ihre Identitäten zu entlarven und zu erkennen. Wenn du dabei bist, dich ganz auf dich einzulassen, erkennst du, wie sehr du dich mit deiner Geschichte und Vergangenheit identifizierst. Denn dieses Ich-Gefühl, das du von dir hast, dieses Gefühl der Individualität, dieses „Ja, das bin eben ich“, ist die Summe all dessen, was dir bisher geschehen ist und das du zu deiner Geschichte gemacht hast. Es ist wie ein großer Rucksack, den du ständig auf deinem Rücken trägst, an den du dich ständig erinnerst. Du erzeugst Gedanken wie „Ja, das ist eben meine Geschichte und deshalb bin ich so geworden. Das und jenes musste ich erdulden und erfahren, so viel Unrecht, Leid, Schmerz,...und so vieles habe ich nicht bekommen, weder Liebe noch Anerkennung. Aus dem Grund bin ich eben so geworden.“
Mit jedem Gedanken wird dieser Rucksack um einen Gedanken schwerer. Du trägst diesen Rucksack aus einer Haltung des Widerstandes gegenüber deiner Geschichte. Wenn du diese Geschichte vollkommen akzeptieren würdest, könnte sie gehen - wie auch der Rucksack. Wenn du die Erlebnisse in deinem Leben bejahst, die angenehmen wie auch die unangenehmen, - auch wenn du im Moment nicht gleich erkennst, dass sie aufgrund einer Resonanz in dir entstanden sind, hinterlassen sie keine Spuren. Sie bilden keine Steine im Rucksack. Diese Steine bilden sich durch deinen Widerstand und dann benützt du diesen Widerstand, um eine Identität aufzubauen und dir zu sagen: „Ja, ich musste eben dies oder jenes Leid erfahren, deshalb kann ich nicht auf beiden Füßen stehen. Ich habe zu wenig mitbekommen. Meine Eltern haben mich nicht geliebt und mich nicht verstanden oder die Schicksalsschläge waren so brutal, lieber Gott, dass du wohl einsehen musst, dass ich jetzt nicht alleine gehen kann. Also musst du mir helfen. Jemand muss mir helfen und mich retten, zumindest als Ausgleich oder Genugtuung oder Sühne.  Und solange das nicht geschieht, werde ich hadern, mich zurückziehen, werde aufbegehren und mich verweigern, werde wüten, grollen und toben und werde eine Menge an Erklärungen und Rechtfertigungen finden über die Ungerechtigkeit des Lebens.“ 
Also das ist der Rucksack mit den Steinen. Er dient dir, durch ihn brauchst du nicht Verantwortung zu übernehmen. Wenn du das tätest, würde das heißen, dass du den Rucksack abnimmst und ihn einmal genau anschaust, denn wenn er immer am Rücken ist, siehst du ihn gar nicht. Also nimmst du ihn ab und schaust Stein für Stein an und übernimmst für jeden einzelnen Stein Verantwortung. Du sagst: „Ja, das ist geschehen in meinem Leben. Auch wenn ich es nicht verstehe und den höheren Zusammenhang nicht erkenne, aber es hat mit mir zu tun. Alles, was ich erlebe, ist entstanden durch meine eigenen Gedanken und Gefühle. Alles kommt zu mir zurück, was ich ausgesendet habe. Es dient mir, um zu erkennen, um zu reifen, um Bewusstheit zu bekommen, über das, was ich getan habe. Ich heiße alles willkommen, denn alles geschieht aus der göttlichen Ordnung, innerhalb des göttlichen Plans, innerhalb der göttlichen Gerechtigkeit, der göttlichen Weisheit und der göttlichen, allumfassenden Liebe. Und jetzt lasse ich den Rucksack gehen. Ich lasse alle Gedanken gehen, die gegen mich und das Leben gerichtet sind. Alle Gedanken, die mit Mangel, Zerstörung, Lieblosigkeit, Einsamkeit, Ungerechtigkeit, Angst und Trennung zu tun haben.“
Wenn du das tust, kannst du dir selbst ein Stück näher kommen. Dann kann der blockierte, trübe, schlammige Fluss wieder in Bewegung kommen, sich aufklären und langsam zu fließen anfangen. Erst dann kannst du den Schmerz und die Angst willkommen heißen als etwas, das in deinem Leben einfach ist und was dich zu dir selbst führt. Du kannst sie als Brücken sehen, die in dein Innerstes führen. Auch wenn du nicht weißt, was am Ende der Brücke auf dich wartet – wahrscheinlich gehst du wie immer vom Schlechtesten aus! – kann ich dir sagen: am Ende wartet innerer Frieden, Befreiung und die Essenz dessen, was Du bist, auf dich!  Und so lade ich dich ein, einfach genau hinzuschauen, welche Steine in deinem Rucksack liegen, die du immer wieder nimmst und streichelst und nährst und sagst: „Lieber Schmerzstein, wenn ich dich nicht hätte, wer wäre ich dann? Wenn der Schmerz oder die Angst nicht in meinem Leben wäre, wer wäre ich dann? Ein Nichts.“ Da ist die große Angst, nichts zu sein, aber das ist die Angst des Ego-Verstandes, der natürlich immer jemand Besonderer sein muss. Wenn du den Rucksack ablegst, die Steine erlöst hast, und dem universellen Erfahrungsfeld zurückgeben kannst, ist tatsächlich nichts da. Es ist nichts und es ist alles da. Du brauchst nichts und niemand, um jemand zu sein, denn du existierst. Du bist das Leben, du bist die Ewigkeit. Das bedeutet absolute Freiheit und Frieden. Da muss niemand sein, der so oder so ist, der diese oder jene Eigenschaft hat. Du bist jenseits deiner Eigenschaften. Eigenschaften sind die Steine, die du dir angeheftet hast, genauso wie dein Schicksal. Wenn du diesen Schritt wagst, sagst du: „Ich lasse mich drauf ein, ohne Geschichte, ohne Konzepte, ohne Plan, ohne Scheinwissen. Ohne auf die Vergangenheit zurück zu greifen und mir die alten Erfahrungen zu bestätigen, ohne in die Zukunft zu gehen und mich zu ängstigen. Ich begegne dem WAS IST im JETZT. Nur so sehe ich, wie das Universum neu geboren wird und immer neu entsteht. Ich vertraue, staune und danke!“ Diese Haltung bedeutet größtes Vergnügen, größte Freude und absolutes Vertrauen. Vielmehr eine Gewissheit, dass ES durch dich wirkt, dass du dich um nichts kümmern musst, denn es ist alles da. Du musst einfach da sein und dieses wundervolle Universum genießen. Da ist Bewusstheit über die Schöpfung, über deine eigene Existenz. ES bezeugt durch dich WAS IST. Das reicht, das braucht keinen Namen. ES ist jetzt dieser Körper und im nächsten Moment ist es ein anderer. Die Formen wechseln und dennoch ist durch jede Form eine bestimmte Erfahrung möglich. Aber du bist nicht deine Form, du bist nicht dein Körper. Durch den Körper erfährst du Körperlichkeit, mit der du dich hier ausdrücken und bewegen kannst. Und dieser Körper wird bewegt, er wird gespeist durch die unqualifizierte Energie – das ist ein Ausdruck, der mir sehr gut gefällt, es ist universelle Lebensenergie, eine Form von Prana, die herunter moduliert wird und deinen Körper antreibt. Diese Energie bewegt dich, sie findet in dir Ausdruck. In dem Moment, wo Gedanken des Ego-Verstandes auftauchen, wird diese Energie zurück gehalten. Du hinderst sie, dass sie fließen kann. Es ist wie eine Sperre, eine Blockade, wo diese unqualifizierte Energie nicht durch dich kann und du nicht bewegt werden kannst, weil da ein Gedanke ist oder ein Gefühl ist, das du in dir kreierst. Lass dich bewegen und alles wird da sein – die Energie, die Fülle, die Freude und die Liebe!



Heilung aus der Stille


Vier Tage Rückzug, Schweigen, Stille und nichts tun müssen. Die mystische Landschaft des Waldviertels als Kulisse und die Karwoche als perfekte Zeitenergie für Wandlung und Heilung. Was sich während eines Stille Retreats mit Karin zu Ostern im gar nicht so stillen Inneren alles tut, darüber erzählt ganz ungeschminkt und demaskiert Andrea Semper.

Heuer zu Ostern rief mich die Stille wieder einmal ganz laut. Die Sehnsucht nach ein paar Tagen Rückzug von der äußeren und inneren Betriebsamkeit war die Motivation, mich auf das viertägige Stille Retreat mit Karin einzulassen. Noch dazu sollte es im Waldviertel stattfinden, das für mich sowieso immer schon ein Magnet war, wenn ich Ruhe suchte.  Ich hatte Ende Dezember vorigen Jahres meinen Job als Sozialpädagogin aufgegeben und war in das ziemlich kühle Wasser der sogenannten Erwerbsarbeitslosigkeit gesprungen. Kühl machte ich mir das Wasser allerdings nur selbst, indem ich mich immer wieder dazu trieb, doch endlich einen Job zu finden, etwas Sinnvolles zu tun und wieder Geld zu verdienen. Im Außen wie im Innen suchte ich nach Rechtfertigungen, warum ich jetzt absolut keine Ahnung hatte, wo es mich beruflich hin zieht. Beinahe jeden Tag kamen mir neue Ideen, Pläne, Visionen in den Sinn, ergaben sich interessante Begegnungen und eine Woche später war schon wieder alles anders. Ich fühlte mich, als ob ich durch eine Mischmaschine geschleudert werde. Nichts war mehr so, wie ich es seit fast 20 Jahren gekannt hatte. Jede Art von Sicherheit war weg gefallen. Absolute Glückseligkeit und Hingabe an das Neue wechselten sich ständig mit tiefer Traurigkeit, Unsicherheit und Zukunftsangst ab. Zudem verliebte ich mich immer wieder heftig und musste nach nur kurzer Zeit sehen, wie sich alles in zerplatzende Seifenblasen auflöste. Je mehr ich versuchte, Halt zu finden, umso schneller wurde mir der Boden wieder unter den Füßen weg gezogen. Ich brauchte dringend Klärung und die Erinnerung daran, dass ich vertrauen konnte, auf das, was auch immer gerade in meinem Leben lief.  Außerdem spürte ich ganz stark, dass es Zeit war, einigen alten Beziehungsschmerzen endlich mal ins Auge zu sehen.  Das war also meine Ausgangssituation, als ich an einem nebelgrauen, verregneten Sonntag in Traunstein im Waldviertel ankam. Schon die große Tanne vor meinem Zimmerfenster und das Geräusch des Regens waren die ersten Boten der Stille und ich fühlte mich augenblicklich geborgen und aufgefangen. Während der ersten Abendrunde erfuhren wir den Ablauf für das Stille Retreat. Ab dem nächsten Vormittag würden wir mit dem Schweigen beginnen. Es gab jeden Tag zwei Treffen in der Gruppe von jeweils ca. 2,5 Stunden, während der wir die Möglichkeit hatten, von Karin begleitet, unsere inneren Prozesse näher anzusehen. Morgens und nachmittags konnten wir zusätzliche Angebote wie Stille-Meditation, Trancetanz oder Atemmeditation besuchen.  Dazwischen hatten wir genügend Zeit für Tun oder Nicht-Tun nach Lust und Laune, wie z. B. Spaziergänge in den herrlichen Wald, der gleich hinter dem Haus begann.

Zu Beginn jedes Gruppentreffens im schönen Dachseminarraum saßen wir gemeinsam ca. eine halbe Stunde in Stille. Danach sprach Karin immer über ein bestimmtes Thema, das sich zeigte. Ich war jedes Mal erstaunt und betroffen, wie sehr das, worüber Karin sprach, zu dem passte, was in mir vorging und wahrscheinlich ging es den anderen ähnlich. Ihre Worte, die wie immer geprägt waren von absoluter Liebe, Verständnis und Akzeptanz dessen, womit wir gerade „kämpften“, waren ein Anstoß, uns noch tiefer und wahrhaftiger mit etwas auseinanderzusetzen. Sie taten gut und waren zugleich immer erschreckend entblößend - keine Chance mehr, uns vor uns selbst zu verstecken! Die Worte berührten mich an meiner innersten Quelle der Wahrhaftigkeit und aus diesem Verständnis heraus gibt es keinen Zweifel mehr, kein „ja, aber“, nur mehr pures Akzeptieren und Verstehen dessen, was ist. Diese kostbaren Momente des Erkennens blinzelten immer wieder in das Dunkel aus Nicht-Vertrauen, Angst und Verwirrung wie Lichtstrahlen, die durch ein schmutziges Fenster fallen. Viel davon habe ich mitgeschrieben, weil ich es immer wieder brauche, mich zu erinnern. Vieles habe ich nicht mitgeschrieben, weil es im Moment einfach wichtiger war, nur zu lauschen und die Botschaft einsinken zu lassen wie ein Samenkorn. Ich möchte hier einen ersten, sehr persönlichen Versuch wagen, einerseits Karins Worte und andererseits das, was sie in mir ausgelöst haben, niederzuschreiben. Vielleicht kann die optische Gegenüberstellung auch etwas Ordnung in die Fülle bringen.  

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Botschaft durch Karin

Meine Reaktion


Zum Einstieg
Du machst dir mit diesen Tagen der Stille selbst ein großes Geschenk. Es wird nichts von dir erwartet, es gibt nichts zu erreichen, du musst nichts tun und niemand sein. Du kannst einfach nach innen lauschen und schauen, was in dir passiert, wenn du von dir selbst nichts erwartest. Es können Muster, Strategien, Konzepte, alte Verletzungen auftauchen…. oder auch gar nichts. Dem, was auftaucht, mit einer Haltung der Akzeptanz begegnen, aber ihm keine Energie geben. Nichts festhalten, nichts abwehren, auch das Wollen gehen lassen. Den Verstand nicht füttern durch Nachdenken (=Nach-Gedanken), ihn leer werden lassen

 

 

Gedanken  – sind wie  Wolken am blauen Himmel; sie kommen und gehen. Aber meist nimmst du sie und gibst ihnen Raum. Sie klopfen immer wieder an deine Türe und fordern dringlichst deine Aufmerksamkeit. Mach’ die Tür nicht auf. Man muss nicht alle Gäste einlassen, die anklopfen.

 

 


Das ist für mich gleich die größte Herausforderung. Wie macht man das, nicht nachzudenken? Eigentlich schon interessant, dass wir uns durch Nach-Denken, also etwas aus der Vergangenheit im Kopf wieder käuen, immer vom Sein im Jetzt, von der Gegenwart abhalten. Ich erlebe meine Gedanken immer mehr wie eine außer Rand und Band geratene Kinderhorde, über die ich keine Kontrolle mehr habe. Sie sind lästig, sie nerven und sie sind so laut in meinem Kopf, dass es schon fast weh tut. Beim Aufwachen am ersten Morgen erkenne ich, dass es da einen Zwischenraum zwischen Schlaf und totalem Wachsein gibt, der noch völlig frei von Gedanken ist. Ich habe das Bild einer leeren Bühne, die sich erst nach und nach füllt, bis sie dann den ganzen Tag wieder voll besetzt ist – mit meinen Gedanken als Darstellern eben. Diese Leere davor fühlt sich absolut rein und klar an. Da gibt es nichts zu tun, es ist das pure Sein. Ein erstrebenswerter Zustand, der allein schon durch mein Streben niemals erreichbar ist. Es gilt, nichts zu tun, nichts zu wollen, einfach zu sein – aber in irgendeinem Winkel entdecke ich doch immer noch ein Wollen. Ich will ja das Beste aus diesen vier Tagen Stille herausholen. Ich will mich endlich meinen inneren Dämonen stellen, ich will sie weg haben, ich will mich nicht mehr verstecken vor mir selbst. Keine Chance für das willen-lose Sein, Stress kann man sich in jeder Lebenssituation machen. Im Außen ist es herrlich still, aber innen herrscht Konzertsaal-Lautstärke und Markt-Betriebsamkeit und die Erwartungen an mich selbst feiern fröhliche Urständ.

Hingabe, etwas opfern oder geben: Wir sind es nicht mehr gewohnt, etwas zu opfern im ursprünglichen Sinn von etwas geben ohne Motiv  - und im weitesten Sinne sich hingeben. Der Ich-Verstand fordert, bettelt oder bittet immer nur, er will haben, immer mehr und mehr.   Wir werden von Außen angehalten, zu geben (z.B. in der Arbeit müssen wir alles geben…), haben viele Pflichten und Aufgaben. Aber was opfern oder geben wir aus einer selbstlosen Haltung, was uns selbst auch wertvoll ist?  Ganz frei, ohne Motiv, ohne Erwartung? Doch das, was ein „Ich“ tut, ist meist mit einem „um zu“ verbunden: ich leiste, helfe, arbeite oder meditiere, um anerkannt, reicher, besser, glücklicher oder erleuchtet zu werden. Als ob Gott mit sich handeln ließe! Was ist das für eine armselige Bettlerhaltung, wenn ich nichts los lassen will, weil ich glaube, dass es schlechter wird? Das Universum will uns so reich beschenken. Das ist aber nur möglich, wenn wir uns reinen Herzens hingeben, öffnen und vertrauen - dann können wir auch empfangen, dann können Wunder geschehen.
Nehmen kann nur, wer reinen Herzens geben kann.
Verschenke dich  jeden Augenblick voll und ganz!
Etwas opfern meint nicht nur materielle Dinge, auch Eigenschaften, Anhaftungen, Denk-Gewohn-heiten wollen gelassen werden. Dies ist für die meisten viel schwieriger als materielle Dinge zu geben.  Sie sind die wahren Hinkelsteine, die verhindern, dass du frei bist. Wenn du sie gehen lässt, öffnet sich etwas, wird dein innerer Raum weiter und größer. ... Es geht nicht darum, dass der Verstand entscheidet. Er kann nie wissen, was für ein Geschenk auf dich in der nächsten Situation wartet, der  du lieber ausweichen möchtest (z.B. in einer Begegnung). Umarme, was sich im Jetzt zeigt,  sei innerlich ganz still, lausche in dein Herz und fühle, dann wirst du erkennen, was  „richtig“ ist. 

Ich erschrecke zutiefst, als ich mir eingestehen muss, dass ich nicht bereit bin, irgend etwas zu opfern. Ich will immer alles haben (Möglichkeiten, Kontakte, meine Wohnung) und nichts hergeben.

 Einen völlig neuen Job, ev. sogar im Ausland, mit absolut keiner Garantie, dass es auch nach drei Monaten noch passt und dafür die Wohnung aufzugeben? Mich den undurchschaubaren Plänen des AMS (Arbeitsamt) auszuliefern, ohne selbst das Steuer in der Hand zu haben, indem ich Kursvorschläge mache oder mir selbst Jobstellen suche? Diese Vorstellungen fühlen sich an, wie an einem Abgrund zu stehen und nichts tun zu können. In Wirklichkeit kann ich aber nichts tun, weil sich nichts wirklich reif anfühlt und somit verharre ich in einer leblosen Angststarre. Letztendlich halte ich mich so selbst vom Leben ab, weil ich nicht entscheiden kann/will, weil ich immer Angst habe, das Falsche zu entscheiden. Das ist ein Supertrick! Ent-scheiden – das bedeutet ja auch, von etwas zu scheiden, etwas loszulassen, etwas wegzugeben. Es tut fast körperlich weh, zu erkennen, was ich alles mit mir herum schleppe, weil ich so viel fest halte.

Gefühle  sind eine energetische Bewegung, die durch den Körper geht. Wenn Gefühle aufsteigen, dann einfach nur hin atmen, so können sie durch dich durch gehen, ohne verdrängt zu werden. Aber nimm dir nicht vor, mit ihnen was zu tun oder sie irgendwie fühlen zu müssen, das Ego macht aus allem ein Konzept. Sei einfach damit. Gefühle sind lebendig und wahr, Ich-Gedanken, die ständig um die Vergangenheit oder die Zukunft kreisen, nicht.

Kann während der einstündigen Atemmeditation ganz deutlich den Unterschied spüren, wie es ist, wenn z.B. Weinen aufsteigt und ich einfach nur hin atme – dann löst sich das dazugehörige Gefühl auf, wie eine Wolke im Wind. Wenn ich mich in das Weinen hinein fallen lasse, dann ertrinke ich in dem negativen Gefühl, identifiziere mich also und von Loslassen keine Spur.